Donnerstag, 31. Dezember 2015

Vom Erwachsen werden und anderen Jahresabschlussweisheiten.

Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende zu.
Ich sitze im Bett und erstelle eine Playlist mit den Liedern, die mich dieses Jahr begleitet haben.
Und ich mache mir Gedanken. Über mein Leben.
2015 war nicht einfach, auch wenn ich mir das gewünscht hätte, nachdem das Jahr davor eine komplette Katastrophe war. Aber das ist okay, wie ich jetzt zum Schluss gemerkt habe.
Wenn das Jahr langsam Alt wird, dann werde ich auch träge. Die letzten zwei Wochen sind immer die schlimmsten. Es ist kalt draußen. Es wird schnell dunkel und es gibt so viele Feiertage, und das ganze Leben wird in diesen Tagen so entschleunigt, dass sich Stunden wie Monate anfühlen.
Und gerade jetzt wird es Zeit für mich, dass ich mich nochmal zurück erinnere. Und ich denke mir so: "Mein Gott, schon wieder ein Jahr um? Warum rennt die Zeit so?"
Und ich bin zum Schluss gekommen: Die Zeit rennt weil wir Erwachsen sind. Und das finde ich richtig behämmert.
Ich habe keine Lust auf Erwachsenen-Kram. Keinen Bock auf den Ernst des Lebens. Sich Sorgen machen um jeden Scheiß: Was passiert nach dem Studium oder der Ausbildung? Existenzängste. Irgendwie verliert man sich aus den Augen. Wo sind die guten Freunde hin? Die geilen Partys? Das unbeschwert sein?
Ich habe dieses Jahr einiges erlebt. Und ich habe so viel über mich gelernt. Und ich habe so viel wiedergefunden.
Ich weiß gerade auch nicht wo ich anfangen sollte zu erzählen. Vielleicht so:
2015 fing mit einer Liste von Vorsätze an, an die ich wirklich geglaubt habe. Während alle ihre Listen - auf denen stand: Weniger Rauchen, weniger Trinken - schon in den ersten Stunden oder Tagen des neuen Jahres über Bord geworfen haben, hab ich meine Liste als Leitfaden genommen. Als Leitfaden aus einem Leben, auf das ich keine Lust mehr hatte. Das mich unglücklich gemacht hat.
Es war also Zeit für Veränderungen und ich habe wirklich geglaubt, dass das "Mein" Jahr wird. Weil man das doch so sagt, wenn man Erwachsen wird. Weil das letzte Jahr doch immer irgendwie scheiße war. Und man sagt sich jedes mal aufs neue: "Das wird Mein Jahr!"
Ich fing also an Auszusortieren - Punkt 1 - denn der erste Schritt war, dass ich alles was mich runter zieht radikal loswerde. Und so habe ich mich von einigen Leuten getrennt. Weil sie mit mir gespielt haben oder mich manipuliert haben oder nichts Gutes für mich wollten. Ich fing an, mein Krempel auszusortieren, meine Klamotten - und einige Wochen später auch meine Wohnung, denn sie machte mich unglaublich traurig und depressiv. Ich packte also meine sieben Sachen und suchte mir eine neue Bleibe. Ein neuen Ort, von dem ich sagen konnte: "DAS ist mein Zuhause. Hier komm ich gerne hin, wenn es mir schlecht geht. Hier wohne ich nicht, hier lebe ich."
Die ersten drei Monate liefen so gut, dass ich mir sicher war: "Das würde mein Jahr sein!"
Ich fühlte mich wie der Phönix aus der Asche. War so sicher und so positiv, dass mir nichts schief gehen konnte dieses Jahr.
Und dann kommt das Leben und schlägt nicht nur einmal, sondern dreimal zu. Richtig schön auf die Fresse, bis es blutet und man den Wald vor lauter Bäume nicht mehr sehen kann.
Und dann dauert es, bis man wieder auf die Beine kommt.
Aber, und auch wenn es doof klingt, in solchen Tagen merkt man, wer die wahren Freunde sind. Wen du nachts um drei noch anrufen kannst. Wer dir ne Ohrfeige gibt, weil man zu viel getrunken hat. Wer sich nicht umdreht und geht und dich alleine lässt.
Zeit heilt alle Wunden - wieder so ein Sprichwort. Aber es stimmt. Meistens.

Ich sitze nun hier und denke über die letzten Monate nach. Und darüber, dass es nicht darum geht zu denken, dass das Jahr "Meins" oder "Deins" ist oder war oder sein wird.
Es wird nie ein komplettes Jahr so laufen wie du es dir vorstellst. Manchmal geht es auch mal abwärts und man steht im Sturm. Und das ist die wesentliche Sache, die ich dieses Jahr gelernt habe:
Mal ist es gut, und mal ist es weniger gut. Aber das sollte man nicht an einem Jahr, an 12 Monaten fest machen.

Und was mir außerdem bewusst geworden ist:
Gib nie auf. Mit einer Portion Humor und positiven Gedanken und richtigen Menschen an der Seite, wird das alles schon.
Und auch wenn es so scheint, dass ich erwachsen werde: Sei dir sicher, dass ich nie den Quatsch in meinem Kopf und den Punk aus meinem Herzen verliere.


Guten Rutsch und Frohes Neues, B!tches.

Mro.

Freitag, 25. Dezember 2015

Live On Stage - Ein Rückblick

Leute!
Gibt einiges zu erzählen.
Ich hab bisschen was erlebt im November und Dezember. Voll spannend.

Zum Beispiel wurden Leni und ich - zusammen bilden wir das Team LinguB!tches (hust) - gefragt ob wir nicht einen unserer Team-Texte beim "Hammer Slam" in Hamm zum Besten geben wollen.
Klar, haben wir gesagt.
Und so fuhr ich an dem besagten Donnerstag alleine nach Hamm (gut, so ganz alleine war ich nicht, Karsten, Sarah Lau und Floehr waren mit von der Partie) um die LinguB!tches mehr oder weniger erfolgreich zu vertreten. Leni war leider verhindert und so musste ich mich einem nach Wort und Witz gierigem Publikum stellen.
Spaß hat es auf jeden gemacht - nächstes Mal aber mit Dir, Lenovski!


(c) Sascha Drechsler // "Hammer Slam" Hamm 19.11.2015 // "Ebbe und Flut" 

Die zweite Veranstaltung im November war für mich was ganz ganz besonderes.
Ein Heimspiel Deluxe quasi. 
Ich wurde vor einigen Monaten - vielleicht waren es auch Wochen, aber meine Zeitwahrnehmung ist so großartig wie n Stück schimmliges Toast auf Koks - gefragt ob ich nicht beim GoAhead Slam teilnehmen möchte.
Wer mich kennt weiß, dass ich nie "Nö" sage zu nem Auftritt - oder zum Lacrosse zocken... äääh suchten - und selbige Ereignisse nur abgesagt werden, wenn mich ne Grippe ans Bett fesselt und das Fieber so Kopfschmerzen macht, dass ich keine zwei Meter geradeaus schauen kann. Oder wenn die Deutsche Bahn beschließt, mal wieder die Arbeit nieder zu legen.
Letzteres passiert öfter.
Mit dem Nichtwissen, worauf ich mich mit dieser Zusage eingelassen habe, wird mir knapp drei Wochen vor dem Event gesagt, dass wir nicht nur Texte für ein guten Zweck lesen, nein, das ganze nennt sich auch noch "PROFS GEGEN PROFIS".
Da ich mich nicht in die Prof-Schiene einordnen konnte - haha - wurde mir klar, dass ich dann anscheinend für die Profi-Seite antrete.
Und ich nur so "Äh? Profi? Sicher dass ich nicht nur für die Deko da bin? Ich kann Blumen gießen - das mache ich nicht sehr gut, aber immerhin hab ich Referenzen vorzuweisen."
Nein, ich war nicht zur Deko da. Nicht nur. Ein bisschen. Wobei nee. Das klingt so eingebildet.

Profs gegen Profis // Audi Max - Uni Paderborn 25.11.2015 // "Suffelfe"


Team Profis: Mro! // Dave // Markus Lauert // August Klar // Sarah Lau (v.l.n.r.)


Jedenfalls bekam ich übelstes Herzflattern vor dem Auftritt - der Text war bereits gezückt, ich saß da nippte an meiner Limo und überlegte ob ich nicht ein Herzinfarkt vortäuschen könnte, da bat mich Dean, der an dem Abend die Show moderierte vors Mikro.
Suffelfe hab ich gelesen. Hatte kein Plan ob der Text ankommt (ist immer mal so, mal so) ... aaaaaaaaaaaaaber wot schut ei säi? It wos ä wäri nais ivänink. Und die Leute im AudiMax sind so hart abgegangen - das hab ich ja schon hart gefeiert.
So ein Gefühl kenn ich normalerweise nur von den Konzerten die ich mit meiner ein und anderen Band gespielt hatte. Ich war an diesem Abend wieder ganz nah dran am Rockstar sein. Zumindest vom Feeling her. Die Groupies lassen aber immer noch auf sich warten. Die Katzen auch. Haha.




Es war auf jeden ein wunderschöner Abend, den Punktemäßig Markus Lauert für sich entscheiden konnte. Es wurde ne Menge Kohle gesammelt für Schulprojekte in Afrika. Und ich war mit meiner Limo, Schokolade und neu gewonnen Fans sehr sehr sehr glücklich.

( Alle Fotos vom "Profs vs. Profis" (c) Sarah Mevers // mehr auf Facebook) 


Der letzte Auftritt in diesem Jahr war mit meiner anderen LinguB!tch-Hälfte beim Welcome Festival Vol. 2 in der Kulturwerkstatt Paderbon am 12.12.2015. 
Den Abend davor hatten wir ordentlich Lenis Geburtstag gefeiert - und irgendwie kam ich nicht so wirklich aus dem Bett. Dann war mein Zeitmanagement auch mal wieder unter aller Sau - und in solchen Momenten fange ich auch noch gerne an zu trödeln. Aber wir waren trotzdem pünktlich Am Ort des Geschehens.
Der ganze Tag war hefton und ultra cool. Wir haben unseren eigenen Backstagepass bekommen (sowas hab ich nur bekommen, als ich das ein oder andere Konzert mit der Band gespielt habe), Leni und ich hatten unsere eigene Garderobe - na ja, zumindest am Anfang und es wurde sich so toll um uns gekümmert. 




Es fing mit einem Infonachmittag über Flüchtlinge an, Leni und ich haben jeweils einen Text gelesen. Dann sind wir noch als LinguB!tches aufgetreten und haben unseren Mut-Text (inklusive Performance - haha) gemacht.
Ich glaub wir kamen ganz gut an, und ich hab immer wieder Spaß daran zu zweit aufzutreten. Nicht nur, dass ich total gerne mit Leni zusammen schreibe, wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, ist das für mich immer ein bisschen wie Weihnachten und Ostern. Da wird gerockt, gelacht, Quatsch gemacht, man ist vorher zusammen aufgeregt, und hinterher zusammen erleichtert. Es ist einfach ein Fest!

Abends standen wir noch während des Konzerts vor der Bühne, haben getanzt, getrunken und die Bands ausgecheckt. Es war richtig, richtig gut.

Und weil Leni und ich uns so freuen, gibt es hier unseren Text übers mutig sein, den wir vor einiger Zeit geschrieben haben.

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Der Text vom mutig sein
(Team LinguB!tches)

Yo ich bin Leni
Yo ich bin Mro
Und wir sind ganz schön froh
Dass der Mut uns nicht verlassen hat
Hier heute zu Slammen
im Herzen der Stadt

Über den eigenen Schatten springen
Und endlich etwas Richtiges zu Stande bringen
Mut ist etwas wo jeder mit geboren wird
Und wer sagt,dass er keinen hat,der irrt
Die Angst nimmt immer wieder Überhand
und klagt über Risiko und den großen Aufwand
Die Angst ist meterhoch und wirft einen Schatten über mutige Taten
und da gibt’s nur eins war wir dir raten


Zeig der Angst den Mittelfinger
und mach Mut zum einzigen Gewinner!

Du willst sein wie Pippi Langstrumpf
und nicht versinken im Angst getränkten Lebenssumpf
Du willst das sagen was du denkst ohne nachzudenken
Du willst dem Gefühl in deinem Bauch einfach mehr Aufmerksamkeit schenken
Doch wie kannst du Pferde in die Höhe heben
wenn du dich schon schwer tust mit deinem eigenem Leben?
Du bist niemals so wie Pippilotta,das ist klar
Denn im echten Leben bist du nur wie Annika!

Zeig der Angst den Mittelfinger
und mach Mut zum einzigen Gewinner!


Du stehst an der Bar,ein Bier in der Hand
Alle tanzen wild herum,doch du stehst nur am Lebensrand
Komm schwing zusammen mit mir dein Tanzbein
Denn zusammen ist man viel weniger allein
Der Mensch da vorne er lacht dich an
Doch die Angst hat dich in ihrem Bann
Meint er mich? Lacht er mich aus?
Die Unsicherheit bricht aus dir heraus
Und du verkriechst dich wieder in deinem Schneckenhaus

Zeig der Angst den Mittelfinger
und mach Mut zum einzigen Gewinner!

Wenn der Mensch den du liebst, dir dein Herz bricht
Und dir aus dem Hinterhalt ein Messer in den Rücken sticht
Doch du ihm trotzdem jedes mal wieder Vertrauen schenkst
Und du dir für diese Entscheidung immer neue Gründe ausdenkst
Denn die Angst alleine zu sterben
Ist viel größer als die Scherben
In denen deine Beziehung durch Streit und Respektlosigkeit geriet
Doch du hast Panik und Angst vor dem großen Schritt, dem Abschied

Zeig der Angst den Mittelfinger
Und mach Mut zum einzigen Gewinner!

Wenn dein Job die reinste Höllenqual ist
Doch du trotzdem irgendwie darauf angewiesen bist
Aber dein Chef sich alles andere als fair verhält
Denn der gesetzliche Mindestlohn ist ihm zu viel Geld
Dein Mut was zu sagen, hast du längst verloren
Denn du denkst du bist zum verlieren geboren
Für einen anderen Job, denkst du , bist du nicht gut genug
Du gestehst dir nicht ein, es ist alles nur Selbstbetrug
Deine Meinung und du, ihr seid mehr wert als du denkst
Es wird Zeit dass du dein Talent nicht weiter verschenkst

Zeig der Angst den Mittelfinger
Und mach Mut zum einzigen Gewinner!

Und hier noch Eins, das viele Menschen sich nicht trauen
Laut NEIN zu sagen, und nicht mehr weg zu schauen
Wir sagen Nein zu Atomkraft und Ressourcenverschwendung
Sagen Nein zu RTL und Casting-Sendung
Zu Homophobie und Trends wie Magerwahn
Und sagen ganz klar NEIN zur Deutschen Bahn
Wir sagen Nein zu Faschismus und Abschiebung
Und zu Schnapsideen wie G8 und 12-Jahre-Schulbildung
Wir sagen Nein zur Unterdrückung und Diktatur
Und zur Respektlosigkeit gegenüber einer fremden Kultur
Wir sagen Nein zu Diskriminierung und Sexismus
Und Nein zu Pro-Choice-Gegnern und Antifeminismus

Wir heben unsere Mittelfinger und sagen Nein
Auch uns fällt es manchmal schwer mutig zu sein


(c) Mro & Marlene L. - Team LinguB!tches. 



Donnerstag, 24. Dezember 2015

Der Dezember macht uns das Leben schwer

Einmal im Jahr, da drehn alle ab
Da meckern alle immer „Die Zeit ist zu knapp“
Es ist ja so, dass Weihnachten sehr plötzlich erscheint
Und man dann die fehlenden Geschenke beweint

Weil Amazon, Ebay, Zalando & Co. Immer versagen
Wir es doch jedes Jahr aufs Neue wagen,
Die Geschenke für unsere Liebsten auf die letzte Minute zu bestellen
Und dann der Postbote wegen Matsch-Schnee und Minusgrade sich weigert das zuzustellen

Einmal im Jahr, versteh ich die Welt nicht mehr
Da ist selbst in der Fußgängerzone zu viel Verkehr
Und wenn Leute einander noch durch die Läden schieben
Und sich anschreien, anstatt einander zu lieben

Dann ist es nicht weit her: Denn Weihnachten macht uns das Leben schwer

Wenn eine Jahreszeit nicht zu Enden scheint
Und bei der Deutschen Bahn Chaos ausbricht sobald es schneit
Wenn aus der kindlichen Freude über ne Schneeballschlacht
Sich Frust entwickelt aufgrund von matschiger Pracht

Wenn man als Sneaker-Liebhaber gezwungen ist Boots zu tragen
Und man es lieber vorzieht deswegen auch Dates abzusagen
Wenn einem dank sexy Feinrippunterhemd warm ums Herz wird
Und sich Omma's Nierengurt in deinen Kleiderschrank verirrt
Wenn das Fahrrad an der Straßenlaterne fest friert
Und ein Eiszapfen deine rotzige Nase ziert

Dann ist es nicht weit her: Der Winter macht uns das Leben schwer.

Wenn heilig Abend wie immer so plötzlich vor der Tür steht
Und „Last Christmas“ hat dann plötzlich nen neuen Interpret
Wenn Miley aus Wrecking Ball ne Weihnachtsedition macht
Und nackt auf einer Weihnachtskugel durch Wände kracht

Wenn auch die Erotik-Industrie nicht auf Scheinchen verzichten will
Und eine Kollektion für sexy Nikoläuse erstellt
Und wenn du in der Weihnachtszeit deinen Geburtstag schmeißt
Und deine Freunde dir einen Stripper organisieren der auch noch "Niko Laus" heißt*

Wie immer, ist es da nicht weit her: Der Dezember macht uns das Leben schwer.


Wenn Omma im Plätzchenbackwahn ist
Und der Miezekater alles auffrisst
Wenn die Nichten ihren Wunschzettel noch am 24. neuschreiben
Und Weihnachtsgefühle trotz Tonne an Deko ausbleiben
Wenn an Heilig Abend Opa dann zu viel trinkt
Und die ganze Bude nach dem Selbstgebranntem stinkt

Wenn Mutti Salz und Zucker verwechselt
Und trotzt Tantes Nussallergie Nüsse in die Soße häxelt
Und wenn Papa schief und schräg Stille Nacht singt
Die Nacht leider gar nicht mehr so still klingt
Wenn der Bruder die Geschenke mit mehr Tesa als Papier verpackt
Und wenn der Onkel noch schnell einen Christstollen backt
Wenn der beste Freund sich als Christkind verkleidet
Und trotz gut gemeintem Rat nicht Oppas Selbstgebrannten meidet

Wenn der Miezekater als schwarzes, haariges Engelchen auf der Baumspitze sitzt
Und irgendwie alle Zweige anfrisst
Wenn der Tannenbaum mehr leuchtet als uns lieb wäre
Und ich der Feuerwehr die Brandursache erkläre

Dann ist es nicht weit her: Weihnachten macht uns das Leben schwer!

Und trotz allem wünsch ich euch nun ein schönes Weihnachtsfest
Und dass ihr euch nicht zu sehr stresst
Denn eigentlich geht es doch mehr um Liebe
Und verdammt nochmal nicht um Kommerz
Also verschenkt mal weniger Krimskrams
Verschenkt doch lieber euer Herz.



November 2011 mit Meph


(c) Mro! 
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Anmerkung von der Poetin: 
* Den gibt es wirklich! Lingubitch Leni und ich haben mal gegoogelt.

Freitag, 23. Oktober 2015

Lyriker Lounge Paderborn - Oktober 2015 // "Fuck mich doch mal ab" - Auszug #2

Ahoi, ihr Leichtmatrosen! 

Der Zeitpunkt ist also gekommen: Jetzt kommt tatsächlich ein Blogpost. Ein richtiger Blogpost. 

Nach langer Zeit stand ich endlich mal wieder auf den Brettern die die Welt bedeuten und ich weiß nicht wann ich das letzte mal so nervös war.
Momentan schreib ich leider nicht mehr so viel. Ich arbeite viel und bin dann in der Uni, denn das Semester hat wieder angefangen, und irgendwie ist Uni trotzdem total anstrengend, auch wenn man nun endlich genau das macht, was man kann und liebt und dann kommen da noch so Dinge hinzu wie 'ne Mitbewohner-Suche, denn bei uns in der WG werden zwei Zimmer auf einmal frei und dann will man ja auch endlich mal wieder die Eltern besuchen, denn das Heimweh hat schon wieder an der Tür geklingelt, und dann gibt es auch noch unsere Lacrosse-Liga-Spiele und das Training und ich hab noch Freunde die ich sehen will - ihr merkt, Freizeit und Leben kommt momentan echt zu kurz. Und in der wenigen freien Zeit die ich in den letzten Wochen hatte, war ich so ausgelaugt, dass mein Kopf ein wenig einem Zombie gleich war.
Also, das Kreativ-Schreiben-Areal in meinem Hirn hatte dann mal einfach zwischendurch so gesagt: "Ey Mro, nö! Gerade kein Bock! Lass mal lieber einfach mal Ferien machen, ich brauche Urlaub!" Und so hat das Areal seine Koffer gepackt - aber es kam relativ pünktlich zurück. Ein Tag vor der LYRIKER LOUNGE PADERBORN.
Und so wurde mein Text am Mittwoch Abend noch fertig. 

Wer wundert sich also darüber, dass ich heute, am Donnerstag im GLOBETROTTER in Paderborn saß und nicht wusste ob der Text ankommt oder ob ich total versage. Panik pur! 

Lange Rede, Sinn egal: Jedenfalls. Es war ein grandioser Abend. Das Zittern hat sich gelohnt, ich habe mich tierisch gefreut, endlich mal wieder ein Text zu machen, und dieser lag mir sehr am Herzen, denn in "Fuck mich doch mal ab" mach ich meinem Unmut Luft und mach ein bisschen Aufstand. Weil es so viele Dinge gibt die mich persönlich total nerven und mich so sauer machen.

Persönliche Texte sind immer die schwersten. Weil man immer ein Teil von sich mitgibt. Weil man verletzlich und angreifbar wird.
But hell yeah, das ganze extrem positive Feedback und die ein oder anderen Tränchen im Publikum, die geflossen sind, haben mich sehr stolz und glücklich gemacht und mir gezeigt, dass das heute Abend kein Seelen-Striptease war, wie viele so persönliche Texte kritisieren, sondern dass ich da einige Nerven getroffen haben.
Danke, ihr ganzen vielen Träumer und Poeten, ihr Tränzer und Sänger und Verrückten und treuen Pilger der Lyriker Lounge. Danke, für jeden einzelnen Drücker heute Abend und jedes Wort und für den Applaus.

Danke. 

So bevor ich hier noch ne ganze Runde sentimental werde, geh ich schlafen. Morgen ist wieder Uni angesagt. Woop Woop. 





Fuck mich doch mal ab
(Auszug)
[...]

Und ja, mich fucken so viele kleine und große Dinge ab
Und ich könnt so oft kotzen
Und so oft schreien
Weil ich jeden Tag Dinge erlebe, die einfach scheiße und unfair sind
Und dafür ist dieser Text

Mach doch mal den Mund
Und zeig dein Löwenmut
Lass das Feuerwerk in deinem Herzen raus
Und sei doch mal bereit für ein bisschen Punk und Aufstand
Mit einer Portion Respekt und Toleranz

Die Welt ändert sich nicht, wenn man nur jammert
Also mach deinem Unmut Luft
Und stell doch mal die Welt auf den Kopf.





(c) MRO

Donnerstag, 24. September 2015

Gute-Nacht-Poesie #3

Mal wieder, mal wieder die gute "Gute Nacht Poesie".
Diesmal über mein Zuhause und die wahrscheinlich wunderschönste Stadt der Welt: Paderborn. 
Man mag meinen, es wär gefährlich sowas zu behaupten, aber ich bin so hart verliebt in diese Stadt, dass ich es gerne mit den Worten meiner sechsjährigen Nichte ausdrücke: "Ich glaub ich dreh durch..." ;)





"Aber Paderborn ist nicht deine Heimat?" 

Nein, aber mein Zuhause. 
Da wo mein Herz hingehört, da wo ich zur Ruhe komme, da wo die Glocken des Doms mich jeden Morgen wecken und da wo ich liebe, leide und lache.

Da wo tausend Gesichten anfangen und auch einige wieder enden,
 wo ich Ideen spinne, ausbrüte, manchmal verwerfe.

Da wo ich man mich nur auf vier Rollen kennt, denn mein Zwei-Rad-Porsche lass ich lieber im  Keller stehen und wo ich nicht nur meine Liebe zum Wort, sondern auch meine Liebe zum Sport wiedergefunden habe.

Da wo ich meine Freunde meine zweite Familie nenne,
und da wo ich so genommen werde wie ich bin, mit all den Fehlern und Macken.
Da wo mein bester Freund mich betrunken heim trägt, 

und wo gute Freundinnen nachts vor der Tür stehen, wenn man am Telefon geknickt klingt.

Da wo ich durch das Sappho springe,
oder auf WG-Partys fremden Menschen die Haare schneide. 
Da wo wir 90er-Jahre-Fete noch rocken, 
und wo wir zu Libori auch mal zu tief ins Glas schauen ...


Nein Paderborn ist nicht meine Heimat. 
Aber woanders ist auch Scheiße.







(c) Mro!

Montag, 7. September 2015

Ebbe und Flut + RADIOMITSCHNITT



(Live-Mitschnitt von 'Ebbe und Flut' + Vor- und Nachgequatsche)




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Für A. 

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Ein Bund fürs Leben
Ein Bund wonach Menschen
Streben
Ihr Leben lang
Doch wir haben es von Geburt an

Wir zwei
Verschieden
Doch aus dem selben Blut
Wir zwei
Wir blieben
Nicht
Sondern zogen in die Welt
Mit Stock und Hut

Ich bin Ebbe und du bist Flut
Wenn die See rau die Wellen hoch peitscht
Dann kämpf' ich auf meinem Segelboot nicht allein
Dann hältst du die Seile gespannt
damit ich die Segel richtig setzen kann
Und das schon mein Leben lang

Die Steine über die ich zu stolpern drohe
Drückst du mir in die Hand
Um mit ihnen nach den Anderen zu werfen
Immer bereit für Punk und 'ne Portion Aufstand

Lass dir nichts sagen, du kannst das! Ich weiß es“
Wenn die Tage schwarz sind
Und meine Laune auch
Dann mach ich von deiner Motivation gebrauch

Erst bin ich traurig
Dann geht’s mir gut

Ich bin Ebbe und du bist Flut
Wenn die Sonne am Horizont versinkt
Und mir das Meer auch nichts mehr bringt
Die Sirenen heulen und die Möwen schrei'n
Dann weiß ich, ich bin bei dir daheim

Denn zu Hause ist da wo das Herz bleibt
Da wo man einander antreibt
Verrückte Ideen ausspinnt
Und danach gemeinsam bei einem Bier singt

Familie ist mehr als den gleichen Namen tragen
Mehr als in schlechten Zeiten zu sagen:
„Jo, kann man sich halt nicht aussuchen!“
Nein, das kann man nicht,
Aber Blut ist nun mal dicker als Wasser

Und wenn ich auf die Fresse flieg
Bist du nicht der Erste der sagt: „Siehst,
Hab ich dir doch gleich gesagt!“
Nein, du hilfst mir noch und fragst
Wem soll ich auf die Schnauze hau'n!“

Wir zwei sind nun mal aus dem selben Blut

Ich bin Ebbe und du bist Flut
Wenn wir dann wie Piraten streiten
Nach unseren Säbeln greifen
uns fast die Köpfe einschlagen
Und uns übers Deck jagen

Wenn wir fluchen und schreien
Dann ziehn wir uns zurück
Sind für nen Moment allein

Aber auch nicht lang
Denn wir wissen
Dass der eine ohne den anderen nicht kann

Auf Kurs zu bleiben ist gemeinsam
Nicht nur weniger einsam
Sondern auch gefüllt mit doppelten Lachen
Und doppelt-verrückten Sachen machen

Gemeinsam Rücken an Rücken zu kämpfen
Wenn das Schiff überfallen wird
Gemeinsam gegen den Strom zu lenken
Wissen, dass man gemeinsam nicht untergeht

Zusammen haben wir doppelt so viel Mut
Ich bin Ebbe und du bist Flut
Doch manchmal
Da braucht auch der Große von der Kleinen Rat
Auf hoher See
Weit weg von der Heimat
Dann stecken wir die Köpfe zusammen
Und ich höre mir deine Pläne an

Du weißt dass mein Ohr immer offen für dich ist
Auch wenn du der große Bruder bist
Aber jeder sitzt mal in einer Ecke gefangen
Und ohne Komplizen wird einem schnell Angst und Bang
Doch du weißt hoffentlich dann,
Dass du dich auf mich verlassen kannst

Bei Geheimnissen schweige ich wie ein Schiffswrack
Bei dummen Spinnereien, droh ich dir mir „Kopf ab!“
Bei den besten Ideen unterstütze ich dich
Und das was du für mich bist, bin ich für dich

Die Jahre gehen zu schnell ins Land
Und so wie die Ebbe ohne die Flut nicht kann

Bist du mein Gegenpol
Von Anfang an.




(c) Mro!

Sonntag, 26. Juli 2015

Gute-Nacht-Poesie #2 // Textauszug

Ein Textauszug aus "Fuck mich doch mal ab!", einem noch nicht fertigen Text, den ich in einer lauen Juli-Nacht in diesem Jahr angefangen habe.
Und passend zur später Stunde: Gute Nacht, Babes and Bitches. 

"[...]
Manchmal denk ich so 'Yeah'. Manchmal denk ich so 'Nein, Man'. Und manchmal da gibt es so Tage, wo ich einfach nur schreien will. Einfach vor einer Wand stehen und die ganze Zeit dagegen brüllen.
Dann bin ich so sauer und wütend und enttäuscht, dass mir die Worte fehlen.
Dann hilft nur brüllen und schreien und Fäuste ballen. 

Hinter Fassaden blicken ist nicht so einfach. Aber hat man erstmal rausfinden können, wie dick die Fassade ist, versteht man auch den Mensch dahinter. 

Aber auch wenn man versteht, oder gerade weil man versteht, ist das Bedürfnis zu schreien und zu brüllen und die Fäuste zu ballen oft noch viel, viel größer. 

Ich balle meine Fäuste. Und eines Tages reich ich dir vielleicht die Hand.
Vielleicht.
Aber darüber mach ich mir noch keine Gedanken, denn ich brülle. Gegen deine Wand.
[...]"





(c) Mro 

Dienstag, 14. Juli 2015

Zitat-Stunde

Manchmal ist nach Links und nach Rechts schauen auch wichtig. Hier ein Zitat von Frank Lloyd Wright, dass mir während meiner Zeit in Australien unter die Augen gekommen ist und das mich immer wieder daran erinnert: "Das Leben läuft Vorwärts - nicht Rückwärts. Immer positiv bleiben!" 


Ich werfe den verdammten Rückspiegel aus dem verdammten Fenster, weil ich nicht wissen will, woher ich komme, sondern wohin ich fahre. 



Montag, 6. Juli 2015

Mittwoch, 20. Mai 2015

Gute-Nacht-Poesie #1

Spontanes Zusammenwerfen von Wörtern und Versen. Das was in meinem Kopf manchmal vorher. Was manchmal raus muss. Mal im Suff, mal nüchtern. Aber immer, worüber ich so nachdenke. 


Blut seh'n


Ich sehe Rot.
Ich sehe Blut.
Ich sehe vor allem das, was du nicht siehst.
Weil dir der Blick fürs Detail fehlt. 


Du sieht ein raufenden Kopf. Der sprichwörtliche "Zerstreute Professor".
Du siehst geballte Fäuste. Ein wenig Wut.
Du siehst Tränen. 

Du distanzierst dich. 

Geht dich nichts an. Sagst du. 


Und ich sehe Rot.
Ich sehe Blut.
Ich sehe Schmerzen und Narben.
Ich sehe Wunden. Offene. Klaffende. 

Ich sehe Blut. 
Ich sehe Hoffnung.
Und ich sehe, wie Hoffnung stirbt.

Ich sehe Verzweiflung.
Und Unsicherheit.

Du siehst Coolness. Alkohol. Drogen. Sex. 

Tanzend zu dem Beat, der dein Kopf beherrscht.
Du starrst.
Ich starre.


Du siehst den perfekten Lidstrich.
Ich seh eine Fassade.

Du siehst bunte Haare.
Ich seh eine Fassade.

Du siehst schwingende, kurze Kleider.
Ich seh eine Fassade. 


Ich seh ein Schutzwall. Für das Biest in mir.
Das Biest, dass ich vor langer Zeit in Ketten gelegt habe.
Das ich nur mit Wasser und Brot fütter, damit es nicht noch mehr kaputt macht. 


Das Biest, dass nur Sex bekommt, anstatt Liebe.
Das Weggesperrt wird, anstatt bestützt. 


Du siehst eine Frau.
Ich seh ein Mädchen.

Du siehst eine Bitch.
Das bin ich vielleicht.
Aber eher noch ein Punk.
Im Herzen. 


Ein blutendes Herz.
Ein Herz, dass Schlag für Schlag kämpft.
Mit dem Biest in mir, das rebelliert.

Du siehst ein Stehaufmännchen.
Ich seh ein Verlierer.

Ich sehe Rot.
Ich sehe Blut.
Aber in erster Linie seh ich, wofür dir der Blick fehlt. 



(c) Mro

Dienstag, 28. April 2015

Wasser reichen



Riskier' doch mal ne dicke Lippe. 
Spiel dich auf. 
Tu so, als wärst du der Boss hier in diesem Spiel,
Das Du schon lange verloren hast.

Du bist nur Eine von vielen Bitches.
08/15 - für mehr taugst du nicht.
Ich spiel in einer anderen Liga, Mädchen.
Dich mit mir messen, kannst du nicht.

Und 'ne große Fresse hast Du
Dahinter steckt nicht mehr als Staub.
Traurig, wie du von dir selber denkst
Du hättest es drauf ...

Also riskier' doch mal ne dicke Lippe
Und verurteile mich wie du magst.
Mit der Gang an meiner Seite,
Schau ich zu, wie du versagt.

Du bist nur Eine von Vielen, Bitch
Mir das Wasser reichen kannst du nicht.




[c] Mro

Dienstag, 31. März 2015

Die ersten Krokusse sprießen
Mein Herz wird so schwer
Nichts ist wie es mal war
Ich vermiss' dich zu sehr ...




[c] Mro

Sonntag, 29. März 2015

Suffelfe


Ein schwerer Kopf, meine Gedanken rasen, meine Augen – werden schwer.
Es liegt ein Duft in der Luft, ein Gemisch aus etwas undefinierbarem. Vielleicht ist es Liebe?

Nein, es ist Gras. Und ich habe zu viel gesoffen.
Während ich versuche mein Kopf wie ein zu groß gewachsener Wackel-Dackel auf meinem Hals zu halten und dabei nicht einzuschlafen, höre ich hinter mir eine piepsige Stimme immer wieder freudig aufschreien: "YEAH! Das ist so geil hier!"
So geil war es hier nicht!
Zumindest nicht in meinem Zustand.
Ich war in meinem Lieblingspub gefangen, war knülle-dicht und mein Traummann Paul saß an der Bar – mit seiner Neuen im Arm.

Der Abend hätte also nicht besser laufen können.

Während ich weiterhin versuche, mein Kopf gerade zu halten, entdecke ich den Kellner vor mir.


Du siehst so durstig aus, magst du noch was trinken?“ 


Erst nach dem dritten mal Hinsehen, bemerke ich, dass es nicht der Kellner ist, sondern ein großgewachsener, blonder Kerl, der so breite Schultern hatte, dass er locker meinem Kleiderschrank Konkurrenz machte.

Ich nickte und lallte: „Jo. Bier.“
Gegen eine nette Konversation und einem Kerl, der mir ansah wann ich was zu trinken brauchte, hatte ich nichts und so entschloss ich mich in meinem Suffkopp dazu, Paul mal für zwei Sekunden zu vergessen und Blondi meine volle Aufmerksamkeit zu schenken.
„Und drei Tequila!“

Eigentlich hatte ich den Abend schon abgeschrieben, nachdem meine Mitbewohnerin irgendwo zwischen Bar und Ex-Freund verschwunden war (und er sicher schon in ihr) und meine zwei anderen Mitbewohner dann doch schon um Zehn im Bett sein wollten – morgen sei schließlich ein ganz normaler Arbeitstag.
Diese Anfänger! Morgen war Mittwoch! Bergfest!
Das musste man feiern.
Eine Nachricht sprang auf meinem Handy auf. 

> Sweetheeeeeart, du glaubst es niiiiiiiicht!
Kai hat mir gerade einen Heiratsantrag gemacht!
Auf dem Eiffelturm! Ich kann es nicht glauben.
Besten Gruß aus Madrid! Ciao Bella!
<

Und auf einmal begriff ich: Alle um mich herum fingen an erwachsen zu werden und ich bin die Suffelfe, die ich schon zu Abitur-Zeiten war.
Keine Gelegenheit zum Feiern hatte ich verpasst. Egal ob 15 Punkte in einer Klausur oder Ein-Mitleids-Punkt: Gründe gab es genug, Menschen die feiern wollten auch und Alkohol war immer unser bester Freund.
Die Nächte waren lang und legendär, wir haben Freundschaften geschlossen, die Haare im Streit ausgerissen, sind auf Dächer gestiegen – oder zumindest, auf das vom Nachbars Auto – und wir haben durch die Straßen getanzt und laut gesungen, bis Frau Trude, die Oma aus dem ersten Stock in unserer Nachbarschaft, nachts um vier mit der Polizei gedroht und als das nichts mehr half, mit Eiern nach uns geworfen hat.
Wir haben uns geschworen wir würden für immer Jung bleiben, wir wollten die Welt sehn, wir wollten unser Leben feiern und immer gut drauf sein. Wir waren eine Clique, eine Crew, Suffelfen fürs Leben, Komplizinnen im Suff.

Zwei unserer alten Gruppe waren bereits verheiratet. Eine würde nun auch schon nachziehen. Die vierte war inzwischen zum zweiten Mal schwanger. Die fünfte hatte eine erfolgreiche Karriere á la Robin Scherbatsky hingelegt. Und ich?

Ich saß hier in meinem Lieblingspub, fühlte mich wieder wie Neunzehn und trank einfach viel zu viel. Mein Bachelor machte ich wahrscheinlich erst in 10 Jahren, aber das war okay.
Ich feierte mein Leben, so wie wir es uns mal geschworen hatten.
Ich trank auf uns alle Einen. Auf die Jung gebliebenen. Auf die anderen Suffelfen. Auf das Gute im Leben. Auf Glück und auf Freude. Und vielleicht auch auf Männer die einen nicht wollten.

Blondi kam mit meinem Bier zurück.
Seine blonden Haare waren wirklich das einzige an das ich mich erinnern konnte.
Das Bier trank ich auf Ex, denn ich wollte gehen.
„Oho, Süße! Du hast aber ein Zug drauf!“ sagte Blondi.
Jo und ne große Leber hab ich wohl auch – daran konnte ich noch denken, ehe mir übel wurde.
„Ich wollte jetzt gehen...“ erwiderte ich und setzte mein schäbigstes Lächeln auf.
„Ach was? Magst du vielleicht nicht noch mit zu mir kommen?“ fragte Blondi und ich antwortete mit meinem Mageninhalt auf seinen Schuhen.
Das war sehr eindeutig.

„Wie ekelhaft!“ kreischte Blondi und verschwand.
Ich schnappte mir meine Jacke und verließ meinen Lieblingspub.
Paul starrte mich angewidert an, als ich an ihm und seiner Neuen vorbei lief.
Ich grinste blöd, trat zur Tür hinaus, drehte mir eine Zigarette und steckte sie mir an.


Wenn ich groß bin, werd' ich Spießer
In so 'nem tollen Reihenhaus
Zwei Kinder
Junge Mädchen
Vielleicht n Hund

Ein Mann, der mir Blumen mitbringt
Das Essen steht um Punkt 12 auf dem Tisch

Ehekriesen gibt es nicht
Ich bin eine von diesen perfekten Frauen, die alles schaffen, und das mit Links.

ODER

Mein Abi mit 1,0 bestanden
Studiert im Ausland
Nach einer Weltreise in New York hängen geblieben
Medienwissenschaftlerin in einer PR Agentur
„Irgendwas mit Medien wollte ich ja immer schon machen“

ODER

Ein Cafe am Rande der Stadt
Schulden nach einem Jahr getilgt
Reich geerbt, weil die Tante verstorben ist...

ABER

Das Leben ist nicht wie bei How I Met Your Mother

Ich sitze nicht mit den anderen noch in 10 Jahren in unsrem Pub
Keiner ist Wingman mehr. Der perfekte Partner steht nicht einfach so vor der Tür.
Es ist doch so:
Abends auf dem Sofa läuft nichts mehr im Fernsehn
Meine Freunde, die sind nun manchmal Idioten
Männer kommen, Männer gehen – im wahrsten Sinne des Wortes

Ich hasse mein Studienfach
Ein Auto kann ich mir nicht leisten
Bewerbungen schreiben fällt mir schwer

Putzen macht mir nicht Spaß
Backen ist anstrengend
Kochen sowieso

Videospiele sind Prima
Partys sind super
morgendliches durch die Straßen laufen macht lebendig
Und Alkohol – das brauch ich manchmal

Es mag jeder um mich herum erwachsen geworden sein
Aber ich bin da noch nicht bereit für
Der Punk ist in meinem Herzen
Der Quatsch in meinem Kopf

Ich werde wahrscheinlich weder reich erben, noch heiraten, noch werde ich in New York leben oder Kinder haben. Und Paul bleibt immer der Mann der Träume, weil er nicht der Mann für die Realität ist.

Bevor ich den Schlüssel in die Haustür stecke, trat ich meine Zigarette aus.

Ich bin mit 23 manchmal noch Kind und manchmal auch dumm und unreif


Und vor allem bin ich gerne was ich bin, wenn auch nur für gerade: Ein bisschen wie eine Suffelfe.





[c] Mro