Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende zu.
Ich sitze im Bett und erstelle eine Playlist mit den Liedern, die mich dieses Jahr begleitet haben.
Und ich mache mir Gedanken. Über mein Leben.
2015 war nicht einfach, auch wenn ich mir das gewünscht hätte, nachdem das Jahr davor eine komplette Katastrophe war. Aber das ist okay, wie ich jetzt zum Schluss gemerkt habe.
Wenn das Jahr langsam Alt wird, dann werde ich auch träge. Die letzten zwei Wochen sind immer die schlimmsten. Es ist kalt draußen. Es wird schnell dunkel und es gibt so viele Feiertage, und das ganze Leben wird in diesen Tagen so entschleunigt, dass sich Stunden wie Monate anfühlen.
Und gerade jetzt wird es Zeit für mich, dass ich mich nochmal zurück erinnere. Und ich denke mir so: "Mein Gott, schon wieder ein Jahr um? Warum rennt die Zeit so?"
Und ich bin zum Schluss gekommen: Die Zeit rennt weil wir Erwachsen sind. Und das finde ich richtig behämmert.
Ich habe keine Lust auf Erwachsenen-Kram. Keinen Bock auf den Ernst des Lebens. Sich Sorgen machen um jeden Scheiß: Was passiert nach dem Studium oder der Ausbildung? Existenzängste. Irgendwie verliert man sich aus den Augen. Wo sind die guten Freunde hin? Die geilen Partys? Das unbeschwert sein?
Ich habe dieses Jahr einiges erlebt. Und ich habe so viel über mich gelernt. Und ich habe so viel wiedergefunden.
Ich weiß gerade auch nicht wo ich anfangen sollte zu erzählen. Vielleicht so:
2015 fing mit einer Liste von Vorsätze an, an die ich wirklich geglaubt habe. Während alle ihre Listen - auf denen stand: Weniger Rauchen, weniger Trinken - schon in den ersten Stunden oder Tagen des neuen Jahres über Bord geworfen haben, hab ich meine Liste als Leitfaden genommen. Als Leitfaden aus einem Leben, auf das ich keine Lust mehr hatte. Das mich unglücklich gemacht hat.
Es war also Zeit für Veränderungen und ich habe wirklich geglaubt, dass das "Mein" Jahr wird. Weil man das doch so sagt, wenn man Erwachsen wird. Weil das letzte Jahr doch immer irgendwie scheiße war. Und man sagt sich jedes mal aufs neue: "Das wird Mein Jahr!"
Ich fing also an Auszusortieren - Punkt 1 - denn der erste Schritt war, dass ich alles was mich runter zieht radikal loswerde. Und so habe ich mich von einigen Leuten getrennt. Weil sie mit mir gespielt haben oder mich manipuliert haben oder nichts Gutes für mich wollten. Ich fing an, mein Krempel auszusortieren, meine Klamotten - und einige Wochen später auch meine Wohnung, denn sie machte mich unglaublich traurig und depressiv. Ich packte also meine sieben Sachen und suchte mir eine neue Bleibe. Ein neuen Ort, von dem ich sagen konnte: "DAS ist mein Zuhause. Hier komm ich gerne hin, wenn es mir schlecht geht. Hier wohne ich nicht, hier lebe ich."
Die ersten drei Monate liefen so gut, dass ich mir sicher war: "Das würde mein Jahr sein!"
Ich fühlte mich wie der Phönix aus der Asche. War so sicher und so positiv, dass mir nichts schief gehen konnte dieses Jahr.
Und dann kommt das Leben und schlägt nicht nur einmal, sondern dreimal zu. Richtig schön auf die Fresse, bis es blutet und man den Wald vor lauter Bäume nicht mehr sehen kann.
Und dann dauert es, bis man wieder auf die Beine kommt.
Aber, und auch wenn es doof klingt, in solchen Tagen merkt man, wer die wahren Freunde sind. Wen du nachts um drei noch anrufen kannst. Wer dir ne Ohrfeige gibt, weil man zu viel getrunken hat. Wer sich nicht umdreht und geht und dich alleine lässt.
Zeit heilt alle Wunden - wieder so ein Sprichwort. Aber es stimmt. Meistens.
Ich sitze nun hier und denke über die letzten Monate nach. Und darüber, dass es nicht darum geht zu denken, dass das Jahr "Meins" oder "Deins" ist oder war oder sein wird.
Es wird nie ein komplettes Jahr so laufen wie du es dir vorstellst. Manchmal geht es auch mal abwärts und man steht im Sturm. Und das ist die wesentliche Sache, die ich dieses Jahr gelernt habe:
Mal ist es gut, und mal ist es weniger gut. Aber das sollte man nicht an einem Jahr, an 12 Monaten fest machen.
Und was mir außerdem bewusst geworden ist:
Gib nie auf. Mit einer Portion Humor und positiven Gedanken und richtigen Menschen an der Seite, wird das alles schon.
Und auch wenn es so scheint, dass ich erwachsen werde: Sei dir sicher, dass ich nie den Quatsch in meinem Kopf und den Punk aus meinem Herzen verliere.
Guten Rutsch und Frohes Neues, B!tches.
Mro.
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